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Donnerstag, 29. Januar 2015

Der Stoff, aus dem LSD gemacht ist

Systematik, Klappe die Zweite. In der ersten Hälfte des ersten Semesters haben wir uns in der Vorlesungen von Prof. Dr. Zidorn mit den Bakterien und Viren beschäftigt, nun sollte es unter Prof. Dr. Classen mit den Pilzen, Moosen, Farnen und Algen weiter gehen.

Die Pilze sind ein eigenständiges Reich und sind somit weder Tiere noch Pflanzen. Auch wenn man sofort an den klassischen Speisepilz denkt, gehören dem Reich auch Schimmelpilze und die Backhefe als einzelliger Pilz an. Aufgrund der Vielfalt und großen Anzahl der Pilzarten, die immer noch nicht gesichert ist - schätzt man, dass es zwischen 100.000 und 5 Millionen Arten geben könnte.
Eingeteilt werden diese in fünf Klassen: Die Schleimpilze, Chytridiomycetes (Niedere Pilze), Schlauchpilze, Ständerpilze und Zygosporenpilze.

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Gelbe Lohblüte, Schleimpilz, Fulgio septica
Der Fruchtkörper der Gelben Lohblüte hat nur etwa einen Durchmesser von 2-20 Millimetern, der Pilze, mit dem wir uns nun etwas genauer beschäftigen, ist etwas größer:

Der Claviceps pupurea kann eine Länge von mehreren Millimetern bis zu 6 Zentimeter haben. Es ist ein zu den Schlauchpilzen gehörender Pilz, der Getreide und Gräser parasitenartig befällt. Besser bekannt ist er als Mutterkorn, wobei dies eigentlich nur die Überdauerungsform des eigentlichen Pilzes ist. Diese Dauerkörper formen sich erst sechs bis acht Wochen nach der Sekundärbefruchtung. Für Menschen wird der Pilz bzw. das Mutterkorn dann zur Gefahr, wenn er Nahrungsgetreide befällt. Er breitet sich über Sporen aus und wird durch den Wind auch weite Strecken getragen. Die im Mutterkorn enthaltene Alkaloide sind giftig.

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Bei einer Vergiftung, die meist oral passiert, treten Darmkrämpfe, Halluzinationen und Durchblutunsstörungen auf, wodurch Finger und Zehen absterben können. Bei größeren aufgenommenen Mengen könnten auch noch Atemlähmungen und Kreislaufversagen auftreten.
Außerdem regt Mutterkorn die Wehnen an, weshalb es früher als Schwangerschaftsabbruchsmittel verwendet wurde. Heute wird es aufgrund der Intoxikationsgefahr nicht mehr verwendet,
dafür wird aus dem Pilz Lysergsäure synthetisiert. Diese tetracyclische β-Aminosäure hat die Summenformel C16H16N2O2 und kommt nicht nur im Claviceps purpurea sondern auch in Ololiuqui und Trichterwinden vor.
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Lewis-Formel der Lysergsäure

Aus dem Alkoloiden Lysergsäure wird das Lysergsäurediethylamid, besser bekannt als LSD, hergestellt. Es ist eins der stärksten bekannten Halluzinogene. Die Einnahme und der Umgang ist in Deutschland strafbar, LSD gehört zu den illegalen Drogen.

Wie LSD wirkt, ist schwer vorherzusagen. Es hängt von vielen Faktoren ab, der Menge, der Gefühlslage, der Umgebung und einfach vom Typ Mensch ab, wie die Droge wirkt. Neben den oft auch in Kunst und Musik verarbeiteten Wahnvorstellungen und visuellen Halluzinationen, die von Verzerrungen und einem bunten Farbwirrwarr geprägt sein können, treten auch andere Symptome auf. Die körperliche Wirkung wird an Muskelzittern, einem trockenen Mund, Appetit- und Schlaflosigkeit, Tachykardie (Beschleunigung der Pulsfrequenz), Artierielle Hypertonie (Blutdruckerhöhung), starkes Schwitzen, Sehprobleme und Ähnlichem deutlich.
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Die Droge wirkt im Schnitt in etwa 12 Stunden. Diese Zeit, in der die Halluzinationen auftreten, wird auch als Trip bezeichnet. Dabei verändert sich die Wahrnehmung, sowohl visuell als auch die Wahrnehmung von Geräuschen und Musik und von Geschmäckern. Dieser Trip wird nicht immer als angenehm empfunden und kann auch zu einem Alptraumtrip werden.

LSD ist so gut wie überall illegal. Das lässt sich durch seine starke und extrem unberechenbare Wirkung erklären, in den USA wurde als Fallbeispiel lange auf den Drogentod eines Mannes hingewiesen, der von CIA-Mitarbeiter unwissentlich LSD verabreicht bekommen hatte und im Laufe seines Trips sich selbst aus dem Fenster stürzte. In der Tschechischen Republik gibt es allerdings eine Freimenge: LSD wird meistens auf Papierstücke aufgebracht; 5 dieser sogenannten Tickets kann man dort schlucken ohne mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen zu müssen.

Gegner argumentieren, dass LSD ein viel kleineres Verhältnis von Wirkdosis zur tödlichen Dosis hat. Um sich mit der Droge zu töten, müsste man in etwa die tausendfache Menge einer wirksamen Dosis zu sich nehmen, bei Alkohol genügt allerdings schon die achtfache der wirksamen Menge. Direkte Todesfälle sind außerdem nicht bekannt, der Tod durch eine Alkoholvergiftung ist leider schon vorgekommen und Alkohol ist in unseren Breiten als legale Droge anerkannt.

LSD macht nicht abhängig. Allerdings benötigt man nach wiederholter Einnahme immer größere Mengen, da der Körper das Lysergsäurediethylamid akkumuliert und die Konsumenten so eine Toleranz gegenüber der Substanz entwickeln.

In großen Mengen ist Lysergsäuredieethylamid giftig. So wie auch das Mutterkorn giftig ist. Die Droge ist ganz verboten, für das Mutterkorn gibt es Grenzwerte, die eingehalten werden müssen. Generell lassen sich die Übergangsformen des Pilzes aber gut bei der Ernte durch Sieben entfernen, da sie sich durch Größe und Gewicht von den Getreidekörnern unterscheiden. Zusätzlich ist der Wechselfeldbau, bei dem ein Stück Land in einem bestimmten Jahresrythmus mit unterschiedlichen landwirtschaftlichen Erzeugnissen bepflanzt wird, zu empfehlen, da die Mutterkörner nach der Ernte auf dem Boden verweilen können und im neuen Jahr die Sporen wieder verteilen können. Da besonders Roggen befallen wird, bietet es sich an, dem Süßgras Anbaupausen zu gönnen. So ist es gelungen, dass Massenvergiftungen mit Mutterkorn der Vergangenheit angehören - LSD hingegen ist Teil unsere Gegenwart und es lohnt sich, sich damit auseinander zusetzen und die Wirkungsweise und Risiken zu kennen.


Dienstag, 20. Januar 2015

Die französische Giftmörderin

Es war einmal eine französische Dame mit Namen Marie Cappelle. Sie lebte im 19. Jahrhundert und führte augenscheinlich ein recht gutes Leben für die Zeit. Sie gehörte zur Mittelschicht und wuchs bei Pflegeeltern auf. Schon sehr früh wuchs in ihr das Wunsch, ein besseres Leben in der obersten Schicht zu führen, mit viel Geld und Ansehen. Nachdem sie eine Freundin bestohlen und einen vorgeblich reichen Mann geheiratet hatte, begann sie diesen nach und nach zu vergiften. Die genauen Gründe kann ich noch nicht so ganz nachvollziehen, vermutlich war es pure Gier und Enttäuschung über das letzten Ende doch nicht vorhandene Vermögen ihres Ehemannes. Außerdem überredete sie ihn sein Testament zu ihren Gunsten zu ändern und begann alsbald ihm vergiftete Speisen zu verabreichen.

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Marie Cappelle, die nach ihrer Hochzeit Marie Lafarge hieß, verwendete Arsen, um ihren Ehemann zu vergiften. Arsen ist ein chemisches Element und hochgradig giftig. Es steht in der fünften Hauptgruppe, also in der Stickstoffgruppe und ihm ist die Ordnungszahl 33 zugeordnet.
Es war ein beliebtes Gift und wurde auch von Marie Lafarge deshalb verwendet, da die Vergiftung nur schwer von der damals weit verbreiteten Cholera zu unterscheiden war. Sowohl bei einer Choleraerkrankung als als auch bei einer Arsenvergiftung treten Symptome wie Durchfall, Erbrechen, Schwäche und Bewusstseinseintrübungen auf.

Das perfide am Mord der Marie Lafarge war ihre Dreistigkeit. Sie schickte ihrem Mann einen vergifteten Kuchen, als er an seinen Landsitz zurückkehrte und schon chronisch vergiftet von einem Arzt einen Trank aus Milch und Ei verschrieben bekam, vergiftete sie auch diesen. Dabei fiel den Bediensteten und auch den Ärzten auf, dass sie stets ein Malachitdöschen mit einem weißen Pulver bei sich trug und es den Speisen und Getränken ihren Gemahls zugab. Dabei verwendete sie immer neue Ausreden, so handele es sich zum Beispiel um Orangenblütenpulver. Als ein Arzt es genauer untersuchte, kam dieser zu dem Schluss, es müsste sich um von der Decke abbrösselnden Kalk handeln. Es schöpfte nicht einmal jemand Verdacht, als jemand berichtete, dass Marie den Gärtner angewiesen hatte, in der Apotheke Arsen zu erstehen. Sie behauptete ganz einfach, dass sie die Rattenplage auf dem Hofe damit bekämpfen wollen.

Insgesamt klingt die ganze Geschichte aus heutiger Sicht komisch und ich wundere mich, warum die Leute früher so naiv waren. Doch dass ich heute so denke und dass heute eine Arsenvergiftung erkannt und das Morden mit Arsen daher sehr schnell bestraft werden kann, verdanken wir einem englischen Chemiker namens James Marsh.
Er entwickelte 1836 eine Methode, um Arsen in organischem Material, also zum Beispiel in menschlichen Innereien, nachzuweisen.
Gut für uns um 21. Jahrhundert, schlecht für die Giftmischerin Lafarge 1840. Ihr Ehemann, den sie erfolgreich chronisch vergiftete hatte und der nach einigen Tage verstarb, wurde untersucht und positiv auf Arsen getestet. So kam es zum ersten Gerichtsverfahren mit einem Urteil auf der Grundlage eines toxikologisch-chemischen Beweises.
Marie Lafarge wurde zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt, was kurz darauf in eine lebenslange Freiheitsstrafe geändert wurde. Sie verbrachte 10 Jahre im Gefängnis, bevor sie 1852 im Alter von nur 36 Jahren vermutlich an Tuberkulose starb.

Damit erging es ihr mit diesem Urteil noch relativ gut. 200 Jahre zuvor wäre sie vermutlich gefoltert und anschließend hingerichtet worden, die ihre Kollegin Marie-Madeleine de Brinvilliers, die ebenfalls eine französische Giftmöderin war und mit Arsenik tötete.

Die Marsche Probe wird heute in der chemischen Analytik immer noch zum Nachweis von Arsen benutzt. Dabei wird ein Regenzglas, in dem sich die Analysenprobe und Zink-Perlen befinden, mit Salzsäure befüllt und verschlossen.
In diesem Schritt erzeugt man den Wasserstoff nascendi, der das Arsenik in der Analysenprobe zu Arsenwasserstoff reduziert.
Das Reagenzglas wird mit einem Glasrohr verbunden, das zu einem Kapillaren ausgezogen ist, an der verjüngten Stelle wird mit einem Brenner erwärmt. Dabei zerfällt die metastabile Arsenwasserstoffverbindung durch die Hitze zu elementarem Arsen (und Wasserstoff).
Elementares Arsen hat eine charakteristisch Farbe, das es tiefschwarz ist und kann dadurch nachgewiesen werden.

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Vor der Entwicklung der Marshen Probe waren Giftmorde mit Arsen populär und es gibt einige bekannte Beispiele in der Geschichte. Auch in Deutschland wütete einst eine Giftmischerin, die insgesamt 15 Menschen mit Arsen vergiftete. Gesche Gottfried kam aus Bremen und auch sie wurde hingerichtet.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird Arsen als Gift eher nicht mehr verwendet, allerdings ist eine Vergiftung durch Arsen heutzutage nicht unwahrscheinlich, da in einigen Regionen der Welt das Grundwasser mit anteilig mit Arsen verunreinigt ist.
Große Sorgen muss man sich in unseren Breiten aber nicht machen. Verunreinigtes Wasser kommt unter anderen in Indien und Bangladesh vor, aber auch im Westen der USA. Heutzutage gibt es aber wirksame Gegengifte (Antidote), die bei einer akuten Arsenvergiftung zur Heilung führen. Das Prinzip dahinter ist die Bindung von mit schwefelhaltigen Komplexen, sodass das Gift markiert wird.